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Luitwin Bies

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Luitwin Bies2018-09-20T14:34:04+00:00
Luitwin Bies

Dr. Luitwin Bies

Geboren: 1930 in Merzig
Gestorben: 2009 in Völklingen, bestattet auf dem Waldfriedhof Völklingen

verh. 1954 mit Waltraut Volkelt

Historiker und Politiker

Kontakt

Patric Bies
Telefon: 0160 / 95209435

Luitwin Bies wurde am 8. Januar 1930 in Merzig geboren. Er war ein saarländischer Politiker, Historiker und Publizist. Am 4. Mai 2009 starb er in Püttlingen. Luitwin Bies verbrachte seine Jugendzeit in Merzig, besuchte das Gymnasium und absolvierte nach Kriegsende eine Lehre als Elektriker.

Politische Entwicklung

Im Jahr 1950 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Saar  (KPS), ein Jahr später Mitglied des Landesvorstandes bis zum Verbot. Er war hauptamtlicher Parteisekretär im Kreis Merzig, später Saarbrücken, dann Redakteur der KP-Zeitung „Neue Zeit“.

Im Januar 1955 verlegte er seinen Wohnsitz mit seiner Familie nach Völklingen, war von  1956 bis 1974 Mitglied des Völklinger Stadtrates und arbeitete auf Grund des KP-Verbots als Taxifahrer. Sein Abitur holte er in einem  Fernkurs nach. Er absolvierte ein Fernstudium der Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin und promovierte zum Dr. phil.

In den siebziger Jahren engagierte er sich in der Freundschaftsgesellschaft BRD-UdSSR gemeinsam mit politisch Andersdenkenden für die Ostverträge und unterstützte aktiv die Städtepartnerschaft zwischen Saarbrücken und Tbilissi.

Von 1983 bis 1990 arbeitete er  für die Vereinigung der Verfolgten des NS-Regimes in Frankfurt/Main und ab 1990 bis 1995 als Stadthistoriker im Stadtarchiv Völklingen.

Luitwin Bies war Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzender der West-Ost-Gesellschaft im Saarland sowie Gründungsmitglied der Partei Die Linke nahen Peter-Imandt-Gesellschaft.

„In kaum zu zählenden Publikationen und Vorträgen hat der promovierte Historiker Luitwin Bies die Völklinger Stadtgeschichte, vor allem die neuere, ergründet und beschrieben. 15 Jahre lang war Luitwin Bies Leiter des Arbeitskreises Stadtgeschichte bei der städtischen Volkshochschule, drei Jahre stand er in Diensten des Völklinger Stadtarchivs. Wiewohl er aus seinem Bekenntnis zum Kommunismus kein Hehl machte, versagte er sich missionarische Parteinahme und galt auch politisch Andersdenkenden als gründlicher und verlässlicher Wissenschaftler.“ (Dieter Gräbner, Er war ein Vorbild für uns, in Saarbrücker Zeitung vom 9. Juni 2009)

Klassenkampf an der Saar 1919-1935 – Die KPD im Saargebiet im Ringen um die soziale und nationale Befreiung des Volkes
Luitwin Bies, Verlag Marxistische Blätter, Frankfurt am Main, 1978.

Saarländerinnen gegen die Nazis: Verfolgt – vertrieben – ermordet
von Luitwin Bies und Horst Bernard, Blattlaus-Verlag, Saarbrücken 2004

Für den Sturz des Naziregimes: Widerstand und Verfolgung von saarländischen Antifaschisten
von Luitwin Bies und Horst Bernard, Blattlaus-Verlag, Saarbrücken 2007.

Ich sterbe ruhig und mutig: Josef Wagner, Bergmann, Kommunist, Widerstandskämpfer
von Dieter Gräbner nach Unterlagen von Luitwin Bies.
Vorwort von Reinhard Klimmt; Conte-Verlag, St. Ingbert 2010.

Widerstand an der Grenze: Des deux côtés d´une frontiere
Luitwin Bies, Blattlaus-Verlag, Saarbrücken 2002

„Völklinger Bücher“ im Arbeitskreis Stadtgeschichte

Völklingen im 2. Weltkrieg
von Kurt Harrer und Luitwin Bies, 1995

Völklinger Nachkriegsjahre 1945 – 1956 (Teil 1)
von Luitwin Bies und Günter Isberner, 1997

Völklingen zur Kaiserzeit 1870-1914
von Kurt Harrer und Luitwin Bies, 2002

Völklingen im 1. Weltkrieg 1914-1918
von Kurt Harrer und Luitwin Bies, 2004

Völklingen zwischen den Kriegen 1919-1939
von Kurt Harrer und Luitwin Bies, 2008

Völklingen zwischen 1957 und 1974
von Luitwin Bies und Günter Isberner, 2009

Weitere Schriften/Broschüren

Antifaschistischer Widerstand an der Saar – Versuch einer Skizze
DKP-Bezirksvorstand Saar (Hrsg.), 1974

Die Fahne von Kolomna
Gruß der Metallarbeiter aus der UdSSR nach Völklingen, Saarbrücken 1979

Wegweiser durch das andere Völklingen und den Warndt
Schriften zur Völklinger Stadtgeschichte, VHS-Völklingen (Hrsg.) 1992 (?)

Widerstand aus dem katholischen Milieu
Geschichtswerkstatt St. Ingbert (Hrsg.), 1993

Dora Zeitz, eine Frau aus dem Köllertal
DKP-Stadtratsfraktion Püttlingen (Hrsg.), 1998

Derichsweiler – Luisenthal – Dachau – New York
Stationen im Leben des jüdischen Arztes Dr. Rudolf Fromm aus Luisenthal
Peter Imandt Gesellschaft (Hrsg), Saarbrücken, 1999

Gestapo contra CGT Lothringen
Die Auskünfte des Alphonso Rieth von 1940
VVN-Bund der Antifaschisten, Landesverband Saarland (Hrsg), 2000

Paul, Ella und Elvira
Über den Lebensweg der Eisenschneiders aus Fischbach an der Nahe
Alternative Liste Kreis Birkenfeld (Hrsg.), 2001

Sie machten Gebrauch von ihrem Kopf und riskierten ihn
Maria Lobe, Ernst Pistorius, Theo Sehn
DKP-Stadtratsfraktion Püttlingen (Hrsg.), 2002

…Hochverräterische Unternehmen…?
St. Ingberter und Homburger Kommunisten gegen die Nazis
DKP-Saar-Pfalz (Hrsg.), St. Ingbert 2005

Mehr als braune Flecken – Zum Umgang der CDU und ihrer Jungen Union mit historischen Vorgängen
Peter-Imandt-Gesellschaft (Hrsg.) 2009

Diverse Artikel

Das Einheitsfrontabkommen im Saargebiet in Geschichtswissenschaften und Politik der Gegenwart
Kolloquium der Sektion Geschichte der Humboldt-Universität, Berlin 1984

Gefährtinnen auf einem schweren Weg, in Richtig daheim waren wir nie – Entdeckungsreisen ins Saarrevier 1815-1955
Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn, 1987

Einheitserfolge im Saarland
Mannheimer Gesprächskreis, Geschichte + Politik e.V., 1993

Verordnet – verinnerlicht – verdrängt: Antifaschismus an der Saar in den Nachkriegsjahren
in Rassismus, Faschismus, Antifaschismus
PapyRossa Verlag Köln, 2000

Die Mobilisierung der Saarländer für Hitler
in Auftrag für Hitler? Der 30. Januar 1933 und seine Wirkung im Westen
Peter Imandt Gesellschaft (Hrsg), Saarbrücken 2003

Die Volksbefragung 1955, Vorgeschichte – Ablauf – Folge
Bundesarbeitsgemeinschaft Saar für Philatelie und Postgeschichte e. V.
im Bund Deutscher Philatelisten e. V., Saarbrücken, 2005

Widerstand an der Grenze
in 13. Januar 1935 – Der Kampf um die Saar – 70 Jahre danach
Dokumentation der Stiftung Demokratie, Saarbrücken 2005

Heinrich Hellmund
in Verbrannt. Vergessen?
Verband Deutscher Schriftsteller in Ver.di, Berlin 2007

Die Saar Verfassung von 1947: Vorgeschichte, Wirkung, Folgen
Das Saarland in guter Verfassung – 60 Jahr Verfassung des Saarlandes
Peter Imandt Gesellschaft (Hrsg), Saarbrücken, 2007

Georgische Gefangene im Zuchthaus Brandenburg
in Georgica – Zeitschrift für Kultur, Sprache und Geschichte Georgiens und Kaukasiens
32. Jahrgang, Shaker Verlag, Aachen 2009

Nie zu Hitler! – Die antifaschistische Einheitsfront-Kundgebung 26. August 1934 in Sulzbach
Begleitheft zur Ausstellung der Stiftung Demokratie, Luitwin Bies gewidmet durch Joachim Heinz, 2009

Von VHS-Direktor Karl-Heinz Schäffner

Die Stadt Völklingen, insbesondere die Volkshochschule, hat über viele Jahre mit Dr. Luitwin Bies zusammengearbeitet. Über 15 Jahre lang leitete er den Arbeitskreis Stadtgeschichte an der Völklinger VHS. Dabei wurden Vorträge und Ausstellungen konzipiert. Mit der Druckerei Harrer gelang es Dokumente und Zeitzeugenberichte in sieben Völklinger Büchern zu veröffentlichen. Unser oberstes Ziel war es, die Geschichte unserer Stadt mit möglichst vielen Fotos, Dokumenten und Zeitzeugenberichten zu bewahren. Der Historiker Dr. Luitwin Bies ordnete die Dokumente in den historischen Zeitrahmen ein und gab somit den Völklinger Büchern die wissenschaftliche Grundlage.

Dr. Luitwin Bies war ein netter, angenehmer Mensch. Ich schätzte sein enormes Fachwissen und sein Engagement für die „vergessenen Verfolgten und Unterdrückten“. Die Volkshochschule war auch ein Ort, an dem der Historiker seine Bücher und Schriften der Öffentlichkeit vorstellen konnte. Dr. Luitwin Bies bekannte sich zum Kommunismus wie sein Sohn Patric zuvor dargestellt hat. In seiner Tätigkeit im Arbeitskreis Stadtgeschichte und an unserer Volkshochschule war in historischen Themen immer objektiv geblieben. Ein großer Mann, der von vielen Bürgerinnen und Bürger in unserer Stadt geschätzt wurde und dessen Rat was zählte. Wir freuen uns sehr, dass der umfangreiche Nachlass von Dr. Luitwin Bies von der Familie dem Stadtarchiv zugeführt wurde. Damit bleibt das Wirken des Historikers und engagierten Völklinger Bürgers der Nachwelt erhalten.

Quellen Text und Fotos:

Stadt Völklingen, Patrick Bies